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Wien: Lange Nacht der Kirchen mit Blindenstock durchwandert5.6.2007

 

Am Pfingstsonntag verkündete unser Pfarrer

die erstmals in Kärnten stattfindende „Lange Nacht der Kirchen“ an. Mir schoß es gleich durch den Kopf, dass ich die Nacht vom 1. zum 2. Juni diesmal wegen der Delegiertenversammlung des Österreichischen Blindenverbandes in Wien verbringen würde. Das war ja noch viel interessanter als unsere Kirchen in Klagenfurt, weil in unserer Bundeshauptstadt so viele verschiedene Konfessionen angesiedelt sind.

Ich mailte einem blinden Bekannten aus Wien, er solle mir Tipps geben, wo ich den Abend des 1. Juni 2007 am sinnvollsten verbringen sollte. Er schrieb, es sei äußerst schwierig, bei dem vielfältigen Angebot Tipps zu geben. Ich solle mich selbst an den PC setzen und die Seite durchforsten. Die Seite war tatsächlich barrierefrei, aber die Qual der Wahl zerrte an den Nerven. Das Angebot wurde immer vielfältiger. Ich wusste immer weniger, was ich eigentlich wollte. Feierliche Eröffnung in der lutherischen StadtkircheAm Freitag um vier war die Delegiertenversammlung zu Ende, um halb sechs kam mein Bekannter und schlug vor, mit der U-Bahn zur ökumenischen Vesper in die lutherische Stadtkirche zu fahren. Von den Glocken zur Eröffnung haben wir deshalb leider nichts gehört, aber wir erreichten ziemlich pünktlich die Kirche und bekamen sogar einen Sitzplatz. Das Hauptanliegen des feierlichen abendlichen überkonfessionellen Gottesdienstes war die Bitte um ein gutes Gelingen der 3. Ökumenischen Versammlung in Sibiu im September des heurigen Jahres. Alles, was Rang und Namen hat in der Wiener ökumenischen Bewegung, war zugegen und beteiligte sich an der Gestaltung dieser besonderen Vesper.

Viel Textiles im Stephansdom

Nach einem kurzen Blick in den mit Tüchern drapierten Stephansdom, dessen Raumwirkung durch eine abwechslungsreiche Beleuchtung variantenreich verändert wurde (vermutlich in Anlehnung an den Schöpfungsbericht über die Erschaffung des Lichts, weil danach die Schöpfungsmesse aufgeführt wurde), erreichten wir unser nächstes Ziel: Maria am Gestade, wo anspruchsvolle Texte von alten Mystikern bis zu Wissenschaftlern unserer Tage rezitiert wurden. Dazwischen sang ein kleiner Chor der Wiener Sängerknaben. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Koreanisch, Bassstimme in rumänisch, Bergpredigt alternativ

Danach zog es mich in die reformierte Kirche nahe der Stadthalle, wo ein koreanischer Chor ein Konzert geben sollte. Wegen einer technischen Panne konnte ich nur ein einziges virtuos gespieltes Flötensolo hören bekam. Dann musste ich mich schon wieder davon schleichen, um pünktlich in die Rochuskapelle in Penzing zu gelangen, wo Geistliche der rumänisch-unierten Kirche in prachtvollen Brokatgewändern alte Hymnen vortrugen. Besonders die Bassstimme des Diakons hatte es mir angetan. Leider sagte niemand etwas zu den Texten der Gesänge, weshalb wir auch nicht bis zum Ende blieben, sondern uns noch den Rest der Lesung aus „Jesus und seine Haberer“ in Oberbaumgarten zu Gemüte führen wollten. Es hat sich gelohnt, denn die deftige Übersetzung brachte mich öfter zum Lachen. Unvergeßlich bleibt mir der Satz aus der Bergpredigt: „Wer's net glaubt, kommt in die Würst'“. Mitreißend war auch der Abschluß der Band, den alle mitklatschten: „life is life“.

Nun waren wir froh, ein Auto zu haben, denn die Entfernungen wurden immer größer. Die nächste Station war die Kirche „Zum guten Hirten“ in Ober St.Veit. Dort gab es ein stilles Abendgebet mit Weihrauch. Wir konnten als Besucher unsere Anliegen in Form von Weihrauchkörnern in eine Räucherschale legen und darauf hoffen, dass sie zunächst in angenehmen Duft und später in Herzensfrieden und Übereinstimmung mit dem Willen Gottes verwandelt würden. Wer wollte, konnte sich vom Priester einzeln segnen lassen, zum Schluß segnete er alle Anwesenden mit der Kreuzreliquie. Ein Saxofonist spielte zum Ausklang „bridge over troubled water“, ein wirkliches Trostpflaster aus unserer musikalisch aufgewühlten Epoche. Mein Begleiter zeigte mir noch vor dem Weggehen einige Bronzeplastiken der Kreuzwegstationen sowie den pyramidenförmig gestalteten Tabernakel, von dessen Mittelpunkt mit dem Schlüssel strahlenförmig die Gnadensonne des Erlösers in unsere dunkle Welt hineinleuchtet.

Unsere letzte Etappe war die Wotruba-Kirche in Wien-Mauer. Dort sang ein Chor mit Instrumentalbegleitung Lieder aus Taizè unter dem Motto „Musik unter Sternen“. Leider waren die Instrumente etwas verstimmt und die Mikrofone nicht gut eingestellt, so dass die Stimmen der Solisten nicht entsprechend wiedergegeben wurden. Die gehaltvollen Zwischentexte entschädigten uns jedoch ein wenig für unser langes Aufbleiben. Als wir um 1.45 Uhr wieder ins Auto stiegen, war sogar der Mond schon schlafen gegangen. Nun wollten wir es ihm gleich tun mit einem dankbaren Herzen, dass trotz aller Kritik über die Mängel einer großen Organisation, zu deren Mitarbeitern wir uns zählen, sich immer wieder in seinem Haus geborgen und angenommen fühlen darf. In einem meiner Lieblingslieder aus Taize heißt es in etwa: „Bei dir bin ich geborgen, still wie ein Kind. Bei dir ist Trost und Heil. Nach dir, mein Gott, verzehrt sich meine Seele und kehrt in Frieden heim.

“Ottilie Kramer, Klagenfurt P style="margin: 0px;">


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